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RFID-Personalausweis mit 3D-Foto

Ich habe ja schon öfter über RFID-Klamotten gesprochen, insbesondere im Zusammenhang mit Personalausweisen. Das ist, trotz der „Menge“ eigentlich ein Zufall, und gerade bei diesem Beispiel hier muss ich zugeben, dass ich von allen Sicherheitsaspekten einmal abgesehen, doch in einer gewissen Form begeistert bin von der dahinter steckenden Technik. Was das ganze jedoch keinesfalls gutheißen soll.

gefunden im spreeblick, quelle: netbooknews.de

Warum es um Zensur geht

Dieser Artikel hat mir in dreierlei Hinsicht gefallen:

Zum einen spiegelt er meine Meinung wider. Zum anderen fasst er die Thematik wunderbar zusammen und bringt sie auf einen Punkt. Zu guter Letzt ist das Kopieren und Verteilen erwünscht.

Dementsprechend folgt nun ein Beitrag von Jens Scholz, im Original auf dieser Seite zu finden.

Warum es um Zensur geht
Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigendlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz "erwischt" wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).
Aber ich schweife schon wieder - wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist - ab.
Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.
Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.

Technik

Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.
Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.
Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie "versehentlich" die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.
Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.
Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.

Verwaltung
Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:
1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.
2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.
3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch „mittelbare“ Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.
4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.
Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).

Psychologie
Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.
Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).
Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war – so sagt sie zumindest – sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.

Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel „Kampf der Kulturen“ drüben bei netzpolitik.org durchlesen.

Den Artikel komplett copy/pasten, ganz egal wo wiederveröffentlichen, per Mail verschicken oder in Foren posten ist ausdrücklich erlaubt (Bitte Jens Scholz aber als Autor nennen.)

Heizen wir doch mal wieder diese RFID-Diskussion an…

Nachdem ich hier und hier ja schon über die schlechten Eigenschaften von RFID-Chips im täglichen Einsatz gelästert geschrieben habe, möchte ich die Gelegenheit der Fairness halber auch nutzen, mal von einem etwas positiveren Nebeneffekt zu berichten:

Nach Angabe von VeriChip fanden in den letzten 22 Jahren in den USA 233 Säuglingsentführungen statt, davon alleine die Hälfte in Gesundheitseinrichtungen. Diese sind nun teilweise dazu übergegangen, die Säuglinge mit speziellen Armbändchen zu versehen, die, logischerweise, mit RFID-Chips versehen sind.

Dies hat jetzt auch endlich mal zum Erfolg geführt, denn

am 15. Juli 2005 wurde vom Hugs-System Alarm ausgelöst, als auf der siebten Etage des Krankenhauses ein Baby aus dem Säuglingsheim gebracht wurde.

von Golem

Ich finde RFIDs nach wie vor nicht soo berauschend, aber wenn man Kindesentführungen auf diese Art und Weise Einhalt gebieten kann, ist das schon ziemlich akzeptabel.

Übertrieben widerum finde ich die Idee der Firma „Lauren Scott of California“, die eine Serie von Kinderkleidung mit eingewobenen RFID-Tags angekündigt hat.

Eingenäht in Pyjamas und kontrolliert durch Messstationen an den Hausausgängen soll so verhindert werden, dass das Kind ohne Wissen der Eltern das Haus bzw. das überwachte Gebiet verlässt.

von Golem

Die in dem Artikel erwähnte Nähe zum offenen Vollzug ist definitiv nicht von der Hand zu weisen. Man kann seine Sorge um die eigenen Kinder bestimmt auch übertreiben.

Aber was sag ich da? Andere Länder, andere Sitten, und vor allem: ich hab ja noch keine eigenen Kinder. Aber sollte ich deswegen den Mund halten?

RFID-Chips sind sicher. Die Titanic war es auch.

Den Satz hatte ich schonmal hier irgendwo stehen. Aber aus gegebenem Anlass greiffe ich ihn nochmal auf.

Auf der acatech sprach Bundesinnenminister Otto Schily nämlich nicht nur davon, es „sei das unerlaubte Auslesen von RFID-Chips in Pässen unmöglich“, sondern erklärte weiterhin auch noch, dass „die RFID-Chips, die in den Eintrittskarten zur Fußball-WM 2006 in Deutschland eingesetzt werden sollen, nicht nur Name, Geburtsdatum und Ausweisnummer der Karteninhaber speichern, sondern auch deren favorisierte Mannschaft.“

Hut ab. Vielleicht sollte auf der Eintrittskarte direkt auch noch die Blutgruppe gespeichert werden, damit ich im Falle eines Falles schneller versorgt werden kann. Und vielleicht noch die Telefonnumer eines Angehörigen, falls ich ins Krankenhaus komme. Dann aber bitte auch gleich mit Autokennzeichen, damit man den vom Abschleppen abhalten kann. :crazy:

Übrigens, liebe Freunde von Otaku42:

Ich habe nach 4 Jahren keinen blassen Schimmer mehr, auf welches Umlaut-Problem hingewiesen wurde und welchen Beitrag ich mit ausgerechnet diesem Eintrag geleistet habe…

Dieser Chip ist sicher. Die Titanic war es auch.

Der kommende Biometrie-Reisepass wird für ein Schweinegeld (meine Finger sträuben sich, die Zahl einzugeben…) ab November eingeführt. Und weil die Bundesregierung von der Industrie gelernt hat, kommt er auch gleich in zwei Stufen raus. Daran erkennt man auch gleich, dass die BR nur teilweise gelernt hat – sie sagt es schon vorher… Im November dann also der neue Reisepass mit digitalem Photo in einem Chip. Und wenn dann möglichst viele den neuen Pass haben (wie lange war der noch mal gültig? 10 Jahre? Oder noch länger?), kommt ab März 2007 Reisepass 3.0, mit RFID-Chip inkl. elektronisch gespeicherter Fingerabdrücke, die auch garantiert nicht unbemerkt ausgelesen werden können.

EPass

Bildmaterial: Golem